FISCHE

Haie und andere Flossenträger

Die vielen Bonebeds – Ansammlungen von Zähnen und Schuppen – beweisen es: Fische lebten im Muschelkalkmeer und in den Gewässern des Lettenkeupers in großer Vielfalt. Allerdings kennt man keineswegs alle von ihnen aus zusammenhängenden Skeletten. Die meisten Fischarten muss man aus Einzelknochen, Zähnen und Schuppen rekonstruieren, ein Puzzle, zu dem oft viele Teile fehlen und dessen Ergebnis lückenhaft bleibt. Bei den Knorpelfischen herrschen die Hybodontiden, Haie mit mehrspitzigen Zähnen oder flachkronigen, zum Knacken harter Nahrung geeigneten Pflasterzähnen. Am formenreichsten sind die Strahlenflosser mit ihren urtümlichen Vertretern, den Schmelzschuppern, die eine Art Außenskelett aus einem, flexiblen Schuppenschlauch besaßen.

1_Flossenstachel

Viele Altertümliche Haie haben vor den beiden Rückenflossen jeweils einen Flossenstachel, dessen unterer Teil im Körper verankert ist. Charakteristisch für die Flossenstacheln der Hybodontiden ist die Längsstreifung mit der Doppelreihe von Zähnchen an der Hinterseite. Zu welchen Zähnen der 30 cm lange Stachel gehört, ist nicht bekannt.

Parhybodus plicatilis

Die mehrspitzigen Zähne des Haies Parhybodus unterscheiden sich je nach Position im Gebiss. Früher wurden diese als selbständige Arten beschrieben, die hier abgebildeten großen Zähne mit einer Hauptspitze als P. longiconus. Heute rechnet man sie zu Parhybodus plicatilis.

Acrodus gaillardoti

Haie der Gattung Acrodus lebten durophag, d.h. sie zerquetschten hartschalige Nahrung wie Muscheln, Schnecken oder Krebse. Der größte Vertreter der Gattung ist Acrodus gaillardoti – im Bild ein großer Seitenzahn. Häufiger ist der deutlich kleinere A. lateralis.

Polyacrodus

Durch eine Reihe von kurzen Spitzen und eine nur wenig längere Mittelspitze gekennzeichnet ist die Gattung Polyacrodus, die sich nicht allzu selten in Bonebeds des Muschelkalks und des Lettenkeupers findet.

Palaeobates angustissimus

Nur sehr selten sind Teile der Zahnbatteriern von Haien gefunden worden, denn die Kiefer waren knorpelig und verankerten die Zähne nicht so nachhaltig wie bei den Knochenfischen. Palaeobates angustissimus mit flachkronigen Zähnen ernährte sich von hartschaliger Nahrung.

Colobodus Zahnbatterie

Ein durophag spezialisierter Schmelzschupper war der bis zu 70 cm lange Colobodus, von dem man selten zahntragende Kieferknochen mit ganzen Batterien halbkugeliger Zähne findet. Diese zeigen zentral eine weißliche Warze, sofern sie nicht abgekaut ist. Colobodus kennt man aus Muschelkalk und Lettenkeuper, aber auch aus der tethyalen Trias.

Habroichthys

In den Brackseen des Lettenkeupers lebte eine Vielzahl von Fischen, von denen zumeist nur isolierte Reste gefunden werden. Zusammenhängende Skelette sind große Seltenheiten. Im Bild der wenige Zentimeter lange Habroichthys, den man vor allem aus der tethyalen Trias der Alpen und Chinas kennt.

Bobasatrania

Zahnbatterien ohne eine erkennbare Knochenplatte aus dem Grenzbonebed konnten erst in den letzten Jahren zu einem hochrückigen Strahlenflosser gestellt werden. Von dieser Bobasatrania scutata kennt man aus dem Lettenkeuper nur die Gaumenplatten mit mehreren Lagen von Zähnen, aus der Frühen Trias von Grönland  und Madagaskar ganze Skelette.

Pterygoid 019

Im Muschelkalkmeer und in den Brackseen und Stromrinnen des Lettenkeuper-Deltas lebten mehrere Quasenflosser-Gattungen, von denen selten zusammenhängende Skelette in Konkretionen gefunden werden. Im Bild das Flügelbein (Pterygoid) eines noch unbschriebenen Coelacanthiden aus dem Lettenkeuper.

4_Ceratodus

Von den Lungenfischen (Ceratodontiden) wurden aus dem Lettenkeuper mehrere Gattungen beschrieben. Außer ihren schwarzen, kammartigen Kauplatten, die sich nicht allzu häufig in Bonebeds finden, kennt man auch Schuppen und Schädelknochen. Die abgebildete Zahnplatte von Ceratodus kaupi dürfte von einem an die zwei Meter langen Fisch stammen.

5_Bonebed

In den sog. Bonebeds haben sich über längere Zeiträume die widerstandsfähigen Knochen, Zähne und Schuppen von Wirbeltieren angesammelt, denn Knochen und besonders Schmelz hat besonders hohes Fossilisationspotenzial. Nicht alle Knochenlager sind aber echte Bonebeds, denn diese müssen Anzeichen von sedimentologischer Aufarbeitung erkennen lassen. Am bekanntesten ist das Muschelkalk-Keuper-Grenzbonebed, eine Schicht, die über ganz Süddeutschland verbreitet ist und als Bonanza für Wirbeltierreste berühmt ist.

Serrolepis suevicus

Der nur wenige Zentimeter große Serrolepis suevicus (Familie Polzbergiidae) kommt in manchen Bänken des süddeutschen Lettenkeupers häufig vor, doch findet man meist nur die hohen, am Hinterrand gezackten Schuppen. Das abgebildete Skelett zeigt die differenzierte Beschuppung und Kiefer mit langen Stiftzähnen.