MUSCHELKALK IN DER TRIAS

Der Muschelkalk in der Trias

Im Jahr 1834 fasste Friedrich von Alberti den Buntsandstein, den Muschelkalk und den Keuper zur Trias-Formation zusammen. Den Begriff Muschelkalk im Sinn einer stratigraphischen Einheit hatte schon 1761 Georg Christian Füchsel aus Rudolstadt benannt. Heute wissen wir aus radiometrischen Messungen, dass die Trias vor 251 Millionen Jahren begann und vor 200 Millionen Jahren endete. Damit ist Trias zu einem Zeitbegriff geworden und steht für die Periode, mit der nach dem Perm das Erdmittelalter begann. Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper sind Gesteine und werden heute als lithostratigraphische Gruppen zur Supergruppe Germanische Trias zusammengefasst.

Der Muschelkalk ist der marine Abschnitt der Mittleren Trias, während der weite Teile Mitteleuropas für ca. 7 Millionen Jahre von einem Flachmeer bedeckt waren. Bei steigendem Meeresspiegel transgredierte das weltumspannende Tethys-Meer durch wechselnde Pforten, durch die auch Floren und Faunen einwanderten, sofern sie die subtropischen Extrembedingungen im Muschelkalkmeer tolerierten.

Der Muschelkalk wird nach seinen unterschiedlichen Gesteinen dreigeteilt in die Subgruppen Unterer, Mittlerer und Oberer Muschelkalk, und diese wieder in mehrere Formationen und Subformationen. Anhand von Leitfossilien wurde eine biostratigraphische Zonierung aufgestellt, die eine Korrelierung mit zeitgleichen Gesteinen in der Tethys-Trias erlaubt, z. B. in den Alpen. Am besten eignen sich dafür die Ammonoideen, deren Merkmale sich in evolutivem Wandel schnell veränderten, außerdem die zahnartigen Conodonten (Kieferelemete ausgestorbener Verwandter der Wirbeltiere), manche Stachelhäuter, Muscheln und Brachiopoden. Besondere biostratigraphische Bedeutung haben auch Sporen und Pollen.

In einer Anzahl von charakteristischen Leitbänken, die sich z. T. über weite Areale des Mitteleuropäischen Beckens im Gestein erkennen lassen, wurde ein zusätzliches Werkzeug erkannt, mit dem sich der Muschelkalk untergliedern lässt. Weil diese Leitbänke als kurzfristige Reflexe veränderter Umweltbedingungen entstanden, erlauben sie als Zeitmarken eine äußerst detaillierte Feingliederung des Muschelkalks.

1_Weltkarte

Das Mitteleuropäische Becken (ZEB) lag in der Trias am Westrand der Tethys unter Monsunklima im Bereich der Subtropen. Die Landmassen bildeten den Großkontinent Pangaea. Häufig zogen Hurrikane von der Tethys ins Muschelkalkmeer und hinterließen am Boden Sturmschichten.

2_Europakarte

Land und Meer zur Zeit der Muschelkalkablagerung in Europa. Einwanderungswege für Flora und Fauna durch wechselnde Meerespforten aus der Tethys: AP – Alemannische Pforte, SMP – Schlesisch-Mährische Pforte, OKP – Ostkarpatenpforte. Nach Ziegler 1988 aus Hagdorn 2005

3_Mächtigkeit

Mächtigkeit des Muschelkalks und Verbreitung des Muschelkalksalzes. Nach Schröder 1982 aus Hagdorn 2005

4_Ceratitenzonen

Ceratiten-Zonen, bezogen auf die Leitbankstratigraphie des Oberen Muschelkalks in Südwestdeutschland. Bei 3,6 Millionen Jahren für den Oberen Muschelkalk kommen auf jede der 15 Ceratiten-Zonen rechnerisch ca. 250.000 Jahre. Verändert aus Hagdorn 2005